Das Projekt

Gletscherarchäologie

Vor mehr als 25 Jahren hat die Entdeckung der neolithischen Gletscherleiche „Ötzi“ sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in der archäologischen Forschung für eine weltweite Sensation gesorgt. Auch wenn die jahrtausende lange Konservierung des Mannes im Eis in mancherlei Hinsicht als singulärer Sonderfall zu verstehen ist, so sind Funde aus dem vermeintlich ewigen Eis an sich keinesfalls eine Seltenheit. Im Zuge der gegenwärtigen Klimaerwärmung abschmelzende Gletscher und Eisflecken geben immer wieder Objekte aus verschiedenen Epochen der (Ur-)Geschichte frei, wie beispielsweise auf dem Schnidejoch und dem Lötschenpass im Berner Oberland. Diese auf den ersten Blick oftmals unscheinbaren Fundstücke sind für die Wissenschaft von grösstem Interesse und es gilt daher, sie vor der Zerstörung durch Wind und Wetter zu schützen, fachgerecht zu bergen und zu konservieren.

Eisenzeitlicher Pfeil aus dem Eis in Løpesfonna, Norwegen (Foto: T. Bretten, Oppdal, 2011).Eisenzeitlicher Pfeil aus dem Eis in Løpesfonna, Norwegen (T. Bretten, Oppdal, 2011).

Vorhersagemodell

Um das kurze Zeitfensters der maximalen Eisschmelze zwischen August und September best möglichst nutzen zu können, müssen potentielle Eisfundstellen bereits im Voraus detektiert und evaluiert werden. Mit Hilfe von GIS-gestützen Vorhersagemodellen lassen sich solche Fundverdachtsflächen durch die Berücksichtigung und Gewichtung unterschiedlicher  kultureller und naturräumlicher Faktoren errechnen. Auf der Grundlage betreffender Potentialskartierungen kann sowohl eine gezielte Begehung möglicher Eisfundstellen als auch eine mehrjährige Überwachung derselben aufgebaut werden.

Visualisierung und Bewertung unterschiedlicher modellierter Einflussfaktoren in einem exemplarischen Untersuchungsgebiet der Silvretta, CH/A (L. Naef, 2012).

kAltes Eis

Für das Gebiet des Kantons Graubünden wurde bereits ein entsprechendes Vorhersagemodell entwickelt, das es nun im Rahmen des Projektes kAltes Eis umzusetzen gilt. Neben der archäologischen Prospektion im Gelände, werden in diesem Rahmen auch glaziologische Daten von abschmelzenden Eisflecken erhoben, um die Transformationsprozesse und Abschmelzdynamiken dieser kleinen, für archäologische Fragestelleungen vielversprechenden Eiskörper besser zu verstehen und somit auch besser voraussagen zu können.

036b_ohneTitelPotentialskartierung für Eisfundstellen im Kanton Graubünden (L. Naef, 2013).

Awarenessprogramm

Da selbst durch intensive Geländearbeit niemals das ganze Untersuchungsgebiet in der erforderlichen Ausführlichkeit durch archäologische Fachleute abgedeckt werden kann, ist eine Einbindung des vielseitigen alpinen Publikums unabdingbar. Durch ein breit angelegte Awareness-Kampagne sollen im alpinen Gelände omnipräsente Zielgruppen wie etwa Wandertouristen, Bergsteiger, Kletterer, Strahler etc. für das Phänomen der Eisfunde sensibilisiert werden. Zu diesem Zweck sind gedrucktes Informationsmaterial gedruckt sowie kleine Wanderausstellungen im Hochgebirge gezeigt worden. Ergänzend dazu ist auch eine enge und aktive Zusammenarbeit mit beruflich im Gebirge verkehrenden Ansprechpersonen wie Hüttenwirten, Bergführern und Alpinpolizisten essentieller Bestandteil des Projekts. Den Abschluss des Projektes markierte eine Sonderausstellung zur Geltscherarchäologie im Rätischen Museum Chur im Sommer 2016.

Kontakt: Leandra Reitmaier-Naef, leandra.reitmaier@gmx.ch

Projektdauer: Oktober 2013 – August 2016

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