UNESCO Weltkulturerbe geht baden…

Die anhaltende Klimaerwärmung macht der Archäologie und Denkmalpflege weltweit auch jenseits der hochalpinen Region immer mehr zu schaffen. Wissenschaftler der Uni Innsbruck und der Uni Potsdam haben in einer Sudie jetzt die Bedrohung von UNESCO Weltkulturerbe-Stätten durch den prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels in einer globalen Gefahrenkarte zusammengefasst.

Projekt-Abstract (Deutsch)                                                                                            Open Access Artikel (Englisch)

http://iopscience.iop.org/1748-9326/9/3/034001/downloadHRFigure/figure/erl491558fig2

Bedenkt man, dass die UNESCO Stationen nur den Gipfel des Eisberges bezeichnen und neben dem Anstieg des Meeresspiegels und dem Abschmelzen der alpinen Eisarchive noch zahlreiche weitere, klimatisch bedingte Bedrohungen bestehen, wird die Herausforderung überdeutlich…

Programm 2014: Für Laien und Profis

Das Jahr 2014 steht in zahlreichen Regionen ganz im Zeichen der Gletscherarchäologie. Neben spannenden Ausstellungsprojekten, werden im Laufe dieses Jahres auch verschiedene Ausbildungsmodule an unterschiedlichen wissenschaftlichen Institutionen angeboten:

AUSSTELLUNGEN 2014:

Frozen Stories (25.2.2014-22.2.2015):

Morgen, 25.2.14., startet im Südtiroler Archäologiemuseum (@ Ötzi) die einjährige Sonderausstellung „Forzen Stories“. Zu sehen sind Funde sowie ein Multimedia-Parcours zum Thema Gletscherarchäologie/Klimawandel. Weitere Infos gibt’s auf der Museums-Website.

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Die Pfahlbauer – am Wasser und über die Alpen (3.4.-26.10.2014):

Auch in Bern werden im Rahmen einer Sonderausstellung des Historischen Museums unter dem Aspekt der Feuchtbodenerhaltung und zeitlichen Überschneidung neben Funden aus Seeufersiedlungen auch einige der spektakulären Eisfunde vom Schnidejoch und Lötschenpass im Berner Oberland erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Begleitet wird die Ausstellung u.a. durch die archäologische Fachtagung „Culture, Climate and Environment Interactions at Prehistoric Wetland Sites“ in Bern statt.

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kAltes Eis  Ausstellungsmodule:

Während der Sommersaison 2014 und 2015 werden auf ausgewählten SAC-Hütten sowie an einzelnen Standorten im Tal kleine Ausstellungsmodule zur Gletscherarchäologie zu sehen sein. Die genauen Standorte, Termine sowie weitere Informationen folgen laufend an dieser Stelle.

LEHRE:

Mummies and Glacial Archaeology:

EURAC Research Bozen / Uni Innsbruck: Internationale Summerschool mit internationalem Dozenten-Team aus unterschiedlichen Fachbereichen zu den Themen Gletscherarchäologie/Mumien.  Ausschreibung und Infos.

Gletscherarchäologie-Seminar:

Uni Bern FS 2014: Prof. Albert Hafner inkl. Feldwoche in Zusammenarbeit mit kAltes Eis in Graubünden.

Gletscherarchäologie-Arbeitsgemeinschaft:

Uni Innsbruck SS 2014: Leandra Naef inkl. Feldwoche in Osttirol mit Mag. Caroline Grutsch.

10 km in 86 Jahren – die eiskalte Reise der Gebrüder Ebener durch den Aletschgletscher

Einmal mehr machen Schweizer Gletscherleichen auch im kalten Winter von sich reden – u.a. im heutigen Tagesanzeiger und dem St.Galler Tagblatt:

Ein Glaziologe und ein Mathematiker haben auf der Grundlage einer komplexen Strömungsmodellierung des Alteschgletschers den rund 10 km langen „Transportweg“ dreier Brüder, die im Jahr 1926 am Gletscher verunglückt waren und im Sommer 2012 partiell wieder ausgeapert sind, rekonstruiert.
Ähnliche Untersuchungen könnten auch in anderen Vermisstenfällen oder bei Leichenfunden am Gletscher Aufschluss über den Unglücksort, die Todesursache etc. liefern. Daneben sind diese Erkenntnisse auch für die Gletscherarchäologie von grossem Interesse – wobei abzuwarten bleibt, welche Modellierungs-Möglichkeiten für weiter zurückliegende Zeiträume bestehen, für die keine detaillierten Messdaten einzelner Gletscher verfügbar sind…

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cold case „Porchabella“ – historischer Gletscherfund neu untersucht

Aus Anlass des Projektes „kAltes Eis“ wird der bislang einzige Fund einer historischen Gletscherleiche in Graubünden umfassend neu untersucht. Die 1992 am Porchabella-Gletscher nahe der Kesch-Hütte (Gem. Bergün) geborgenen menschlichen Reste einer jungen, ca. 20-jährigen Frau samt Kleidung und Ausrüstung aus der Zeit um 1700 werden bis zum Sommer von einem interdisziplinären Forschungsteam analysiert. Die neuen Ergebnisse dieser Untersuchungen werden ab Sommer 2014 in einem eigenen Ausstellungsmodul des laufenden Projektes sowie in Publikationen der Öffentlichkeit präsentiert.

Projektpartner „Porchabella“-Fundkomplex:

Dr. Thomas Reitmaier, Koordination und archäologisches Fundmaterial, Archäologischer Dienst Graubünden.                                                                                    http://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/ekud/afk/adg/ueberuns/ansprechpartner/Seiten/default.aspx

Prof. Dr. Frank Rühli und Mitarbeiter, Anthropologische Untersuchungen, Zentrum für Evolutionäre Medizin, Universität Zürich.                                     http://evolutionäremedizin.ch/people/frank-ruhli/

Dr. Marquita und Serge Volken, Calceologische Untersuchungen (Schuh- und Lederreste), Gentle Craft, Shoemuseum Lausanne.                                      http://www.shoemuseum.ch/?lang=de

lic. phil. Manuela Camichel, textilkundliche Untersuchungen der Bekleidungsreste, Rätisches Museum Chur.                                               http://www.raetischesmuseum.gr.ch/Mitarbeitende.1646.0.html

Michael Stüenzi MA, Wissenschaftliche Illustrationen.                      http://www.mstuenzi.ch/

Marco Cadonau, Kopien der Holzartefakte, Holzmanufaktur IN LAIN/Zuoz.  http://www.inlain.ch/IN_LAIN/Holzmanufaktur/Ueber_uns/Team/Team/Marco_Cadonau/dD00MDUmbD1kZXU.html

Leandra Naef MA, Projektleitung kAltes Eis.

Porchabella

Fundsituation auf dem Porchabella-Gletscher: Filzhut und Langknochen der historischen Leiche (Foto: Archäologischer Dienst Graubünden)

Gletscher im Vlies – künstlerische Auseinandersetzungen mit der Gletscherschmelze

Das anhaltende Abschmelzen der Alpengletscher beschäftigt derzeit nicht nur die Glaziologie und Archäologie. Verschiedentlich findet auch eine künstleische Auseinandersetzung mit diesem Prozess statt – so auch in Graubünden.

Ein Team rund um die Hüttenwartin der Cavardiras-Hütte, Manuela Fischer, hat diesen Sommer das Projekt „WandelZeit“ im Rahmen des 150jährigen Jubiläums des SAC umgesetzt:Eine 1500 m2 grosse Fläche ds Brunnifirns (GL) wurde mit Vlies über mehrere Wochen abgedeckt und so vor dem Abschmelzen bewahrt – Resultat ist ein riesiger Gletschertisch, der sich gleich einem imposanten Mahnmal der klimatischen Entwicklung in der Landschaft manifestiert und das Schwinden der alpinen Eismassen auf eindrückliche Art und Weise sichtbar macht:

http://www.wandelzeit.ch/projekt

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Auch die in Chur/Castrisch wohnhafte und tätige Künstlerin Ester Vonplon hat eines ihrer jüngsten Werke den weissen Gebirgsriesen gewidmet. In ihrer Fotoserie „Gletschermilch“ beleuchtet sie mit Vlies bedeckte Gletscher aus unterscheidlichen Perspektiven. Ein Auszug dieser Arbeit ist noch bis am 19. Januar in der Jahresausstellung des Bündner Kunstmuseums in Chur zu sehen:

http://www.estervonplon.com/index.php?/fotos/gletschermilch/

http://www.buendner-kunstmuseum.ch/ausstellungen/jahresprogramm/jahresausstellung.htm

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kAltes Eis freut sich auf eine inspireirende Zusammenarbeit mit Ester Vonplon und Manuela Fischer im 2014!